Wetterunbilden

aus vergangenen Tagen im Erzgebirge

Quellen :
      „Erzgebirgisches Sonntagsblatt” 1926 Nr. 53 Seite 1 ff.”
      „Erzgebirgische Heimatblätter” 1927 Nr. 01 Seite 4 ff.”
      „Vollst√§ndiges Staats-, Post- und Zeitungs-Lexikon von Sachsen - von A. Schumann”


Winter - mal weiß, mal grün, mal kalt, mal warm

Schneewetter um Weihnachten, das ist wenigstens an sich nichts Auffallendes, wenn schon ein so massenhafter Schneefall, wie wir in der letztvergangenen Woche haben erleben müssen, fast unerhört sein mag. Indes berichten doch die Chroniken auch in dieser Beziehung aus früherer Zeit ganz wunderbare Dinge.

1427
„Im Jahre 1427 ist ein ungewöhlich warmer Winter gewesen. Vmb S.Niclas Tag (6.Dezember) haben die Bäume geblüet, so daß man auch blawe Kornblumen im Felde und sonsten in Gärten und Feldern andere Blümelein gefunden; an etlichen Orten haben auch die Pfürschenbäume geblüet / und ist ein zuvor unerhört Wetter gewesen / Aber im Sommer folgete auff diesen linden Winter ein großes Sterben”.

1489
Im Jahre 1489 fiel im ganzen Erzgebirge ein so großer Schnee, daß er klafterstarke Bäume brach.

1537
Im Jahre 1537. „Das Ende dieses Jahres / ist die Christnacht vnd die zwölff Nächte hernach so warm gewesen / daß die Jungfrauen auff das neue Jahr vnd H. Drey Königin Tage / von Violen / Kornblumen und Stiefmütterlein / haben Kränze getragen”.

1556
Im Jahre 1556 drückte der Schnee am 6. Februar in Joachimsthal etliche Häuser ein und tötete darunter sieben Personen.

1565
Im Jahre 1565 blieb der Schnee ganze 4 Monate liegen, und so lange währte auch damals, weit bis ins Niederland herab, die Schlittenbahn.

Am 21.Juli ging ein beispielloser Wolkenbruch zwischen Crottendorf und Neudorf hernieder, der die Sehm wohl 5 Ellen hoch ansteigen ließ und die 2 Schmelzhütten im Oberdorfe ruinierte.

1571
Nicht minder hart war der Winter im Jahre 1571. Während des Januars dieses Jahres und der Tage des vorangegangenen Dezembers schneite es ununterbrochen 40 Tage lang.

1681
Im Jahre 1681 aber fing am 27. November „überall im Gebirge ein solches greuliches Schnee- und Winterwetter an, daß binnen 14 Tagen niemand weder aus- noch eingekunt, die sich aber hinausgemacht, sind nicht alle wieder heimgekommen, daher dann große Noth ums Getreide und Brot gewesen”.

1701
Am 5. Januar 1701 lag in Gottesgab der Schnee haushoch. Ein Bergbursche, der damals in eine Windwehe gekommen, versank in derselben so, daß er erst nach einer vollen Woche, obwohl täglich an die 30 Personen arbeiteten, ausgegraben werden konnte.

Noch auffallender aber erscheint es, wenn die Chroniken von Winterwetter zu ganz ungewöhnlichen früher oder später Zeit, oft noch im beginnenden Sommer, berichten.

1486
Im Jahre 1486 lag der Schnee noch um Cantate, also im Monat Mai.

1554
Im Jahre 1554 hatte man sogar im Juni, am Johannistag, noch großen Schnee.

1597
Ebenso schneite es im Jahre 1597 im Gebirge noch am Pfingstabend und gab einen gräulichen Frost und viel Schaden in den Wäldern.

1626
Aehnlich war es im Jahre 1626, wo es im Mai sogar etliche Tage hintereinander schneite.

1635
Im Jahre 1635 gab's ebenfalls mitten im Mai einen tiefen Schnee, und die Kälte war so groß an diesem Tage, daß mehrere Personen erfroren.

1638
Im Jahre 1638. „Der Winter dieses Jahres ist sehr warm / im November Dezember / vnd auch den halben Januar des folgenden Jahres / sehr lieblich gewesen / hat weder geschneyet noch gefroren.”

1656
Auch im Jahre 1656 gab's im Mai Schnee, der, wie der Chronist höchst poetisch sich ausdrückte, „denen Hügeln die Trauer Schleyer aufsetzte”.

1665
Im Jahre 1665 mußte wegen ungewöhnlich tiefen Schnees die Leipziger Ostermesse bis Sonntags Trinitatis provogiret werden.

Damals geschah auch, daß ein Bräutigam, merkwürdiger Weise war's auch damals einer aus Bayern, „uff seinem angestelleten Hochzeits-Tag zu Annaberg nicht erscheinen kunte, sondern erstlich den Tag hernach ankam”.

1670
Im Jahre 1670 dauerte der Winter und die Schlittenbahn volle 18 Wochen, so daß damals ein Kaufmann aus Annaberg auf dem Schlitten von der türkischen Grenze bis vor sein Haus gefahren ist.

1686
Vor 200 Jahren, 1686, fiel noch nach Pfingsten Schnee.

1688
Im Jahre 1688 lag der Schnee im oberen Gebirge von „Michaelis” bis „Pfingsten”.

1691
Auch im Jahre 1691 „stund im kalten Winter die Schlitten-Bahne zehen Wochen, darbey denn alles guten Kauffs war”.

1698
Ebenso fiel der Schnee im Jahre 1698 noch im Mai, nachdem man schon am Ostertag noch hatte mit Schlitten fahren können.

1705
Im Jahre 1705 lag der Schnee am 26. Mai um Schneeberg eine viertel und an manchen Stellen eine halbe Elle tief, und an den Dächern erblickte man Eiszapfen. Der Schnee blieb auch des anderen Tages noch liegen, ja in den Wäldern bis weit nach Pfingsten, so daß man vielfach Schwalben und andere Vögel, alte und junge, in ihren Nestern todt fand, weil sie entweder erfroren oder aus Mangel an Nahrung umgekommen waren.

1714
Das Jahr 1714 ermangelte zunächst des Schnees und der „Gebürgischen Schlittenbahne”, aber mit „Anfang des Martii fing es dergestalt an zu schneyen und zu stöbern, daß man fast weder aus, noch ein kunte, und dahero kam die desiderirte Schlittenbahne dem gebürgischen Hausvater, noch sehr wohl zu statten”.

1716
Das Jahr 1716 brachte vollends den Freunden des Schlittenfahrens großes Vergnügen, denn damals konnte man noch im Mai auf weicher Schneedecke lustig über die Berge fahren, wie dies denn der Pastor der Kirchen zu St. Katharinenberg zu Buchholz, Christian Melzer, wie er selbst in der „Historia Schneebergensis” vermeldet, am Sonntag Quasimodogeniti auch wirklich gethan.


          Abschrift unter Beibehaltung der Originalschreibweise


          bearbeitet von pks