Küttner ist Sehma und Sehma war Küttner

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„Ja, was wißt denn Ihr Sehmaer? Was wißt Ihr von den Nöten und Sorgen und Schwierigkeiten anderer Orte? Ihr habt Euren Küttner! Und der hilft!”

dies mußte schon Friedrich Mahn oft hören, wenn Sehma wieder einmal einen Anlaß zu einer Feier, einer Stiftung oder einer Weihe hatte und Bürger anderer Orte sich hierzu einfanden.


Friedrich Richard Küttner, weitgereister Begründer des Unternehmens, übergab nach 35jähriger erfolgreicher Unternehmensführung seinem 3. Sohn Hugo Richard die Weiterführung des Betriebes.


Unter Hugo Richard Küttner wandelte sich das Unternehmen zu einem Großbetrieb mit Weltgeltung. Er erkannte vorausschauend die Bedeutung der Kunstseide, baute eine Kunstseidenspinnerei in Pirna mit 1000 Beschäftigten und Zweigbetriebe in mehreren Orten.


Küttner wurde zum herausragenden Arbeitgeber in unserer Umgebung. In der 1911 neueingerichteten Seidenwicklerei in Neudorf arbeiteten 100 Beschäftigte. Durch einen Erweiterungsbau 1913 in Sehma stieg die Beschäftigtenzahl auf 400 und zeitweise wurden 150 Heimarbeiter beschäftigt.


Die Firma Küttner galt als ein sozial engagiertes Unternehmen, so wurde 1917 der Gemeinde eine hochherzige Stiftung von 110.000,- RM durch Fabrikbesitzer Hugo Küttner zu teil. Zum hundertjährigen Bestehen der Firma im Jahre 1920 wurde die Küttnerstiftung ins Leben gerufen. Kinderhort und Altersheim verkörperten einen Wert von 100.00,00 RM. 1924 erfolgte der Um- und Aufbau der hiesigen Schule auf Kosten Hugo Küttners Firma. 1925 erhielt sein Betrieb eine firmeneigene Verkaufstelle für die Beschäftigten. Weltwirtschaftskrise und Inflation trafen auch die Firma Küttner. 1928/1929 sank die Beschäftigtenzahl von rund 1200 auf 400.


Mit der Machterkreifung der Nationalsozialisten änderte sich die Unternehmensführung. 1937 wurde der Aufsichtsrat gebildet, mit Staatsminister Georg Schenk an der Spitze. Nun war es nicht mehr sein Unternehmen, obwohl er die meisten Aktien hielt. Trotzdem hatte Küttners soziales Wirken zunächst noch Bestand. Mit rund 900 freiwilligen Arbeitsstunden der Werksangehörigen entstand ein Erholungsgarten, Pausengarten genannt.


1936 entstand die Mitbeteiligung der Werksangehörigen. Es existierten Sportge- meinschaft, Werkschor, Laienzirkel und Schnitzergruppe. Diese Feierabendgruppen, die durch die sogenannte Deutsche Arbeitsfront vorangetrieben wurden und als Ausgleich für die Einschränkungen der Vereinstätigkeit auf Komunaler Ebene gedacht waren, begründeten ein vielseitiges kulturelles Werksleben, welches im Reichssender Leipzig mehrmals übertragen wurde und in der Firmenzeitung „Wir spinnen einen guten Faden” sich zeitigte.


Mit dem Ende des 2. Weltkrieges endet leider auch das Wirken dieses hervorragenden Mannes.


Wie schreibt doch Friedrich Mahn in seiner Abhandlung über die Firma Küttner:

. . .
Eine tiefe Tragik liegt über dem Leben Hugo Küttners. Im Sturmeslauf war es aufwärts gegangen. Was er machte, das geriet wohl. Er hatte sich ein Unter- nehmen geschaffen, von dem man glaubte, daß es nicht zu erschüttern sei.

Da aber lauerte das Verhängnis:

Er fand nicht das rechte Verhältnis zum Nationalsozialismus. Er stand in Opposition zu den von 1933 bis 1945 herrschenden Gewalten. Da wurde ihm die Betriebsführereignung aberkannt. Man sah ihn nicht mehr in seinen Fabriken, obwohl sie ihm noch gehörten, wenigstens der Aktiengesellschaft, deren weitaus meiste Anteile er auf sich vereinigte. Als aber dann im Mai 1945 der Umschwung kam, hätte er auch für sich einen Umschwung seiner Lage, seiner Verhältnisse zu dem von ihm geschaffenen großen Werke erwarten dürfen.

An jenem unruhevollen, schwärzesten Tage der deutschen Geschichte, wo Deutschland zusammenbrach und bedingungslos kapitulieren mußte, fuhr er, der sonst in glücklicheren Tagen einen wertvollen Kraftwagen benutzte, auf dem Gefährt der wirtschaftlich Schwächeren, dem Fahrrade, von einem Besuche bei Verwandten kommend, durch das zerstörte Dresden. Er war innerlich tief erregt, was in seinem Inneren vorging, wer vermag es zu sagen. Dazu war es der erste warme, ja heiße Tag nach einer kühlen, niederschlagsreichen Wetterperiode. Mitten in dem Gewirr des Straßenverkehrs stürzte er entseelt vom Rade. Ein Herzschlag hatte dem 66jährigen ein jähes Ende bereitet.



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bearbeitet von pks