Krippenverein Sehma

Peter Klaus Süß
nach Datenlage


I  n den langen, schneereichen und dunklen Winterabenden im oberen Erzgebirge fanden sich Sehmaer in Hutzenstuben zusammen, um gemeinsam zu klöppeln und zu schnitzen. Man ging also reihum in die Wohnungen, um Heizmaterial zu sparen.

L  ange vor der Gründung des Sehmaer Krippenvereins wurden von den Männern und Frauen für die Weihnachtszeit gewerkelt. Es wurden dabei Lieder gesungen, geklöppelt und geschnitzt, Geschichten erzählt, auch Reime einstudiert, um sie später mal vorzutragen.

I  m oberen, meist evangelisch geprägten Erzgebirge, spielte in den Familien die kirchliche Weihnachtsgeschichte eine große Rolle, so auch beim Erstellen kleinerer, auch größerer Krippen, die man in den kleinen engen Stuben in irgend einer gut sichtbaren Zimmernecke platzierte.

V  iele dieser Krippen waren so schön gestaltet, daß mancher Besitzer sie aufhob, um sie im folgenden Jahre zu verschönern.

Es entstand ein echter Wettbewerb, jeder wollte mit seiner Krippe den anderen übertrumpfen.

D  ie Vielzahl der nun vorhandenen Krippen, Deckenleuchter, Pyramiden, Engel und andere Schnitzfiguren verlangten nach einer Organisation, einer Leitung, die alles für die Zukunft regelte.

So fanden sich die folgenden Sehmaer zusammen und gründeten
1896 den Sehmaer-Krippenverein.



D  a der Krippenverein vorallem kirchliche Weihnachtstücke einstudierte, die Mitglieder nun auch als Schauspieler agierten, fanden zahlreiche Aufführungen im Saale von „Oelmanns Gasthof“ statt.

S  chon im November 1899 wandte sich Paul Döhnel, als Vorsitzender des Krippenverein, mit einem Schreiben und der Bitte an den Kirchenvorstand, um die Einführung einer Christmette am Weihnachtsmorgen.

N  ach kirchlicher Zustimmung fand nun die erste Christmette, gestaltet durch den Krippenverein, noch im gleichen Jahre im Saale von Oelmanns Gasthof statt.

Weshalb von nun an die alljährlichen Weihnachtsspiele in Oelmanns Gasthof stattfanden.

Gründungsbild
von der 1. Christmette 1899 in Oelmanns Gasthof´s

beim zeigen auf die Gesichter sind einige Namen sichtbar

Beim Betrachten des Gründungsbildes von der ersten Christmette des Sehmaer Krippenverein aus dem Jahre 1899, gemacht im Saale des „Oelmann‘schen Gasthofes“, kommen all die Erinnerungen an die erlebten Mettenaufführungen des Kantor‘s „Oskar Ruckdeschel‘“ zurück und man wird an die hervorragende schauspielerische Leistung der damaligen Mettenspieler und den zu einem „Klangkörper“ gereiften Kirchenchor erinnert, die jahrelang im Radio übertragen wurden.

zu den namen

W  ie umfangreich sich das schauspielerische Vereinsleben gestaltete (neben dem Klöppeln, Schnitzen und Krippenbauen), sollen auch die folgenden Weihnachts- und biblischen Festspiele zeigen, die als Broschüren noch vorhanden, von den Vereinsmitgliedern einstudiert und aufgeführt worden und hier alle noch zu sehen sind.

E  intragungen in den Heften weisen nicht nur auf die Benutzung hin, sondern zeigen, daß diese Fest- oder Weihnachtsspiele von Mitgliedern auch einstudiert aufgeführt wurden.

                             


H  öhepunkte gab es in der langjährigen Vereinsarbeit viele, die aber leider in dem mir vorliegenden Aufzeichnungen nicht genannt werden.

I  n der Ausgabe des ’’Tageblatt; Annaberger Wochenblatt‘‘, Hauptzeitung des Erzgebirges Nr.264 vom 7. Dezember 1925, wird von der Arbeit des Krippenvereins und von Krippenschnitzern berichtet, wo geschnitzt, gebastelt und gemalt wird.

H  ierin wird uns auch von der erfolgreichen Schnitzausstellung im Jahre 1923 berichtet und auf einer 1926 bevorstehenden Ausstellung im Café Döhnel hingewiesen.

zum Lesen auf´s Bild zeigen


Z  wei der ganz großen Höhepunkte sollen hier genannt werden. 1928 fuhren die Vereinsmitglieder in einer Ausfahrt nach Fürstenbrunn, wovon es das folgende Bild gibt, in dem alle Vereinsmitglieder im bergmännischen Habit zu sehen und namentlich auch aufgeführt sind.

zu den Namen auf´s Bild klicken

O  b bei dieser erlebnisreichen Ausfahrt und dem Gesehenen der Gedanke an eine große Krippen- und Schnitzausstellung in Sehma aufgekommen ist, kann nicht belegt werden, jedoch ist in diesem Jahre das Vorhaben geboren worden.

D  en vielen Schnitzern, Krippengestaltern und Modellbauern in unserem Sehma, die nicht dem Krippenverein angehörten und meist in eigener Wohnstube werkelten, wurde nun das Anliegen vermittelt.

E  in Wetteifern entstand. Jeder wußte was der Nachbar machte, so versuchte ein jeder sein Werk zu verbessern oder etwas Neues zu gestalten, um bei der ersten großen Sehmaer „Schnitz- und Krippenausstellung“ 1934 mit ausstellen zu dürfen.


I  m Krippenverein wurde der Ausstelungsaal festgelegt, die Organisation besprochen, Aufgaben verteilt und eine Plakette entworfen.

U  nd dann war es soweit. Die allererste große Ausstellung dieser Art fand im Sehmaer Erbgerichtsaal vom 20. bis 28. Januar 1934 statt.

D  ie Ausstellung, die viel Aufsehen und Anerkennung bei allen Gästen von Nah und Fern und in der Zeitung fand, hatte auch einen Kritiker. Reichsstatthalter Mutschmann übte Kritik wegen des jüdischen Einflusses auf den orientalischen Krippen.

D  iese herausragende Ausstellung bewirkte eine riesige Zunahme der heimischen Schnitz- und Krippengestaltung, so daß auch viele Jahre später der Schnitzernachwuchs gesichert war.

Es fand keine weitere Ausstellung mehr statt

Selbständige Vereine wurden aufgelöst

Der unter „Kurt Riegel“ geführte Krippenverein existiert nun nicht mehr


pks   

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Nach dem Kriege



N  ach dem Kriege, in der es an Allem fehlte, jeder mit dem Überleben beschäftigt war, hörte aber das Heimwerken nicht auf. Schnitzer, Krippen- und Pyramidenbauer, sofern sie wieder nach Hause kamen, bastelten, schnitzten und verbesserten all ihre Kunstwerke weiter.

S  o existierte der einstige erfolgreiche, 1896 gegründete „Krippen und Schnitzverein“ im Stillen nun weiter.

D  ie aus dem Kriege Heimgekehrten, vorallem aber die Senioren des „Krippen- und Schnitzverein“ begannen wieder Kinder und Jugendliche zu begeistern. Einer von ihnen war Walter Herles, der im Werkgebäude der Schule, im Hause OL 95 B, wieder Schnitzer zusammen brachte, Holz organisierte und für den Fortbestand des ehemaligen Vereins sorgte.

1949 wurde in der ehemaligen Kindertagesstätte in der Bärensteiner Str. 1, dem damaligen Werkunterrichtsgebäude der „Friedrich-Richard-Schule“, unter großem Zeitdruck und unter Leitung des Vorsitzenden des Schnitzvereins „Paul Lang“ in wenigen Monaten der Auftrag des Bürgermeisters „Richard Horn“ vollendet, die Sehmaer Ortspyramide zu gestalten und zu bauen.

1950 dann, im Februar fand die große „Schnitz- und Krippenausstellung“ statt. Die Schnitzer hatten alle Bürger überzeugen können, ihre Kunstwerke im Sportheim zu präsentieren. Für den Betrieb der mechanischen Krippen und motorbetriebenen Pyramiden hatte man ein Notstromaggregat bereitgestellt, um die Stromsperren zu umgehen.

D  as Überaschende aber war, unsere schöne neue Ortspyramide begrüßte die Besucher am Eingang mit ihrem strahlenden Farben und hellem Lichte. Es war für die Sehmaer und Gäste ein riesiges Erlebnis.

1956 entstand dann auch ein
Film über die Arbeit der Schnitzer und über den Nachwuchs, in dem folgende Schnitzer zu sehen sind: Walter Otto, Joachim Otto, Walter Herles, Paul Lang, Kurt Lang, Kurt Rottlof, Kurt Fischer, Johannes Bauer,.Max Mey und viele ungenannte.


H  ier sieht man auch als Beleg, daß die Schnitzer die vielen, schönen Wegweiser gefertigt haben, die Jahrzehnte lang unseren Ort schmückten. Der Film zeigt die Schnitzer und den Nachuchs beim Schnitzen, so daß das Schnitzen in Sehma weiter gepflegt wird.

1969 errichten sich die Schnitzer ein eigenes, wenn auch kleines Schnitzerheim am oberen Bahnhofsteig, in dem sie das Kellerhäuschen des ehemaligen Weigelt-Gutes ausbauten.

Die zwei Schnitzfiguren, die an der Vorderfront angebracht sind, können sie hier sehen. Figur Bäuerin und Figur Bauer .

In der Weihnachtszeit steht ein geschnitzter und beleuchteter Bergmann im Kellereingang und erfreute Sehmaer und Gäste beim Vorbeigehen.

W  enn auch die Generationen wechseln, der Nachwuchs das Ruder übernimmt, sollte dem Schnitzen in Sehma ein erfolgreicher Weg beschieden sein.

pks   

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