Dem Fürstenweg entlang ...

Schon als Kind bin ich mit meinen Großeltern, meinen Tanten, Cousinen und Cousin zu den Liebensteinen gewandert, um mit allen ein sonntägliches Picknik zu begehen. Wir wanderten zum Einschnitt hinauf, an der Stelle der Schwedenkiefer vorbei und dem Fürstenweg entlang, zu den Liebensteinen hinauf.   Mein Großvater, 1887 geboren, wurde dabei nie müde uns von den grausigen, wichtigen und schönen Dingen am Wegesrand zu erzählen.

So hat sich in meinem Gedächtnis so manches von damals erhalten. Von der Schwedenkiefer und den Schwedenkriegen, von den unermesslich dichten und großen Wäldern mit seinen reichen Wildbestand, von dem Weg, auf dem wir gingen, dem „Fürstenwege”, auf dem die fürstliche Jagdgesellschaft ritt, um zu den Jagdgründen zu gelangen, ein Weg im tiefsten dunklen Walde, auf dem sonst niemand sich bewegen durfte.
     Nun aber, wie schon zu DDR-Zeiten hier und dort zu lesen war, soll dieser historische Weg ein ganz anderer sein. Freilich ist er durch den LPG–Straßenbau an einigen Stellen an die Flurgrenze in Richtung Walthersdorf verschoben worden, freilich ist er auch an vielen Stellen überbaut worden, freilich ist er nicht mehr der ruhige, durch die Fluren führende Weg meiner Kindheit und schon gar nicht der Weg, den einst die Fürsten mit ihrem Gefolge ritten, aber, und das ist für mich unbegreiflich, warum muss; er nun einen verfälschten Namen tragen, obwohl er immer noch in die gleiche Richtung verläuft, die gleichen Fluren durchquert und die gleichen schönen Aussichten erhaschen lässt.

     Wenn man vom „Frohnauer Hammer” kommend dem „Fürstenweg” hinauf steigt, auf der Wasserscheide zwischen den Flüssen „Zschopau” und „Sehma” dem Waldrand des Buchholzer Waldes folgt, über die schöne Kulturlandschaft des Erzgebirges seine Blicke schweifen lässt, vom Buchholzer Walde aus, mit ruhigem Blick über Schlettau und dem Schloß schaut und dann den besonderen Blick auf den Berg „Scheibenberg” auf sich wirken lässt, dann fühlt man die Erhabenheit der Natur.
     Ein Wegstück weiter kommt man durch die Häuser von „Neu-Amerika”, dessen Name eine Episode aus dem Leben jenes Sehmaer Bauernburschen ist, der den jetzt verfallenden Gasthofe zu gewissen Ruhme verhalf und den Buchholzern ein Stück seines Feldes als Sportwiese vermachte.
     Wenn man an diesem Platze vorbeigegangen und gemächlich auf dem Waldweg, dem „Fürstenweg” empor geschritten und den Buchholzer Stadtwald gen Süden durchquert hat, öffnet sich ein grandioser Blick auf die drei Basaltberge „Pöhlberg”, „Bärenstein” und „Scheibenberg”. Nur ein paar Schritte aus dem Walde heraus und der Wanderer befindet sich an einer Stelle, die den geographischen Mittelpunkt dieser Berge bildet.
     Von hier aus führt der „Fürstenweg” heute nicht mehr seinen kurvenreichen Weg in Richtung „Schwedenkiefer”, sondern wurde etwas westlich an die Flurgrenze Sehma/Walthersdorf gerückt und geht hernach geradlinig zur Brücke über die Eisenbahnlinie „Annaberg-Schwarzenberg”, wo man auch den „Schwedenkieferweg”(nicht erhalten)  überquert. Diese künstlich angelegte Vertiefung, der „Einschnitt”, ist auf seinen erhobenen Rändern mit prächtigen Buchen bewaldet und lädt zur Rast unter schattenspendenden Bäumen ein.
     Von hier an verläuft die einstige LPG-Straße wieder zur Flurgrenze, überquert den von Walthersdorf kommenden „Fürstenweg”(nicht erhalten)   und läuft, ein Stück nur, parallel zu seinem „Altweg”, wieder dem Rande der Sehmaer Flur folgend, um anschließend auf den „Altweg”, dem „Fürstenweg” zu münden.
     Am Abzweig des Weges zu den „Liebensteinen” vorbei erreichen wir alsbald den „Liedermacherstein”, auch als „Raubmordstein” bekannt, wo der „Fürstenweg” sich nun gen Unterneudorf hin hinab senkt und dort die Sehma überquert, um nach „Kretscham-Rothensehma” und über den Bergrücken hinweg ins Pöhlatal nach dem heutigen Unterwiesenthal zu führen.

Friedrich Mahn
4. Dezember 1929

pks